Nele goes abroad
Mit dem Freiwilligendienst nach Westafrika

Reisetagebuch 

 Eine lange Reise vom Odenwald bis nach West-Afrika...

Montag, 11.10.2021 - Endlich angekommen...

19:04 Uhr blickte ich auf mein Handy, als wir gerade dabei waren, die Treppen aus dem Flugzeug, das uns die letzten 10 Stunden von Frankfurt nach Cotonou gebracht hatte, auf den beninischen Boden hinunterzulaufen. Das erste, was mir in diesem Moment auffiel, war der nasse, komischerweise kalt erscheinende, Schweißfilm, der sich bereits in den ersten Sekunden an meinen Fingerspitzen bildete. Die anfänglichen Atemzüge in der Stadt, in der ich meine nächsten Monate verbringen sollte, erschienen wie in einer Sauna.

Nachdem wir freundlich empfangen wurden am Flughafen, wurde unser Gepäck auf dem Dach eines weißen, alten Busses platziert und mit einem Netz fixiert. Zu diesem Moment wusste ich noch nicht, dass bereits die folgende Fahrt, Teil des Kulturschocks werden würde.

So begaben die anderen sieben Freiwilligen und ich uns auf den Weg zu meiner Gastfamilie, in der wir alle erstmal gemeinsam die ersten zehn Tage verbringen würden, um gesammelt die Stadt zu erkunden. Die Fahrt war vor allem geprägt von einem enormen Benzingeruch, lautem Hupen von allen Seiten, und dies circa alle 20 Sekunden, und einem unebenen Untergrund, sodass man aufgrund des Wackelns ein dauerhaftes Übelkeitsgefühl verspürte.

Obwohl mir der Fahrer des Bus sehr kompetent erschien, war doch ein wenig Angst im Spiel. Parallel zu Autos fuhr nämlich eine unzählbare Anzahl an Motorrädern, die sogenannten Zéms, rechts und links an uns vorbei, wobei diese weder zu Autos, noch zu anderen Zéms einen Abstand hielten. (Ob es ein System im Straßenverkehr gibt, konnte ich bisher noch nicht herausfinden.)

Angekommen bei der Gastfamilie musste ich erstmal all das Erlebte bis zu diesem Moment verarbeiten. All die Vorfreude, all die Monate der Planung und der Vorbereitung waren für einen Moment vergessen und ich fragte mich, worauf ich mich hier nur eingelassen hatte.

Nachdem wir die ersten Nächte unter unseren blauen Mosquitonetzen verbracht hatten, wurde langsam die Sehnsucht nach der Kontaktaufnahme nach Hause größer, da wir die ersten Tage noch keine beninische SIM-Karte bekommen hatten. Langsam fühlte ich mich so, wie meine Eltern es immer berichteten, wenn sie früher auf Reisen waren, ohne große Möglichkeit jemanden zu erreichen.

Das Haus der Gastfamilie war jedoch sehr einladend und ich fühlte mich schnell wohl, aber man fühlte sich auch wie in einer Art Blase. Eine wohlhabende, wie zu Hause wirkende Blase, die platzte, als wir einen Fuß vor die Tür setzten. In diesem Moment wurden wir wieder mit dem Gedanken konfrontiert, dass wir alle wirklich gerade in Westafrika standen und wir uns inmitten der größten Stadt Benins, zwischen steinigen Sandstraßen, herumlaufenden Ziegen, Hühnern und Palmen, sowie Mangobäumen, befanden.

Anhand kleiner Aktivitäten, wie der Ausflug nach Ganvié, dem Venedig von Benin, das Besichtigen des ellenlangen Strands von Cotonou, das Besuchen kleiner Märkte und der Messe in der Kirche am Sonntag mit der Gastfamilie, ließen all das Gelesene aus Reiseführern und die Vorstellungen des Aufenthalts plötzlich Realität werden.

Während der vergangenen Wochen breitete sich bei mir eine große Bewunderung der Kleidung der beninischen Bürger*innen aus und es entlockte mir jedes Mal ein Lächeln, unter vielen Menschen zu sein, die alle farbenfrohe, bunte Kleider, Hosen und Röcke trugen.

Besonders Kinder hatten großen Gefallen daran, wenn sie einen weißen Menschen sahen, weil dies in Benin, nicht wie in Südafrika zum Beispiel, etwas Unübliches ist. Somit fanden wir uns manchmal umzingelt von winkenden, breit grinsenden aber auch verwirrt schauenden Kindern wieder. Jedoch freuten sich nicht nur „die Kleinen“, wenn man ein paar Worte auf der weitverbreiteten, lokalen Sprache „Fon“ mit ihnen wechselte, sondern es waren vor allem die Erwachsenen, die freudig antworteten.

Beachtlich in dem Bezirk, in dem ich lebe, finde ich auch die Tatsache, dass es entgegen vieler europäischer Staaten, keine deutliche Seperation nach Lebensstandard gibt. Somit stehen hier große Villen direkt neben kleineren Wellblechhütten.

Ich hätte nie für möglich gehalten, dass es mich einmal im Leben begeistern würde, von Trommelgeräuschen der Nachbarskinder aus meinem Schlaf gerissen zu werden. Es war insbesondere diese Nähe zu den Menschen, das Unmittelbare, was mich hier so begeisterte.

Der Begriff Gefühlschaos beschreibt die letzten Wochen meiner Meinung nach relativ passend, da ich nie genau wusste, was ich eigentlich fühlte, bei all den verschiedene Eindrücken. Auf der einen Seite war ich überglücklich, endlich hier zu sein, jedoch war vor allem die erste Zeit hier geprägt von Zweifeln und Überforderung. Trotzdem bin ich optimistisch und kann kaum erwarten, was wohl alles auf mich zukommen wird in den nächsten neun Monaten.

Bis bald - Eure Nele 


 
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